Jasmine Guillory: The Wedding Date

Die letzten drei Romane habe ich gelesen, während ich krankgemeldet dem Sommer beim Abschied aus diesem Jahr zusehen muss. Ich frage mich manchmal, ob die Qualität meiner Lektüreauswahl mit der Anzahl meiner aktiv zu gebrauchenden Gehirnzellen sinkt. Und ob ich mich deswegen schämen sollte, ob ich verschweigen sollte, was ich so lese.

Nö.

Mann und Frau in ihren Dreißigern treffen in einem Fahrstuhl aufeinander. Sie ist eine afroamerikanische Juristin mit Selbstzweifeln hinsichtlich ihres Körpers, erfolgreich im Team eines Bürgermeisters. Er ist ein weißer Arzt, der nach einer Trennung, für die er verantwortlich war, meint, nicht beziehungsfähig zu sein. Es folgen Flirten, Sex, der eher blümchenhaft daherkommt, Verdrängen von aufkommenden Gefühlen, Missverständnisse, die große Liebe.

Konventionelle, für dieses Genre derzeit typische Erzählweise – zwischen ihr und ihm wechselnder personaler Er-/Sie-Erzähler -, leicht verständliche und authentisch erscheinende Sprache neben einer vorhersehbaren Plotentwicklung und Figuren, die ich recht schnell vergessen werde.

Warum ich den Roman dennoch gelesen habe? So platt die Handlung auch ist, so alltäglich und nachvollziehbar erscheinen die behandelten Probleme: Selbstzweifel, Wochenendbeziehung zweier Vollbeschäftigter, unterschwelliger und offener Rassissmus, ungesunde Ernährungsweise. Wobei das den Figuren und der Autorin vielleicht nur vage bewusst ist. Und mal ehrlich: Ein guter Roman muss nicht gut geschrieben oder inhaltlich von hohem Wert sein. Manchmal reicht sein Unterhaltungswert, seine Fähigkeit, dich während einer Erkältung zu beschäftigen. Gelernt habe ich trotzdem etwas: Ich habe die Perspektive einer weißen Frau; ich sehe vor meinem inneren Auge weiße Frauen, wenn ich einen Roman lese. Und ich befürchte, dieser Roman stützt das Vorurteil von sich nur von Fastfood ernährenden US-Amerikanern.

Berkley, 2018

 

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