Sophie Love: Love like this

Nach einer wochenlangen Freizeit-Lektüre-Abstinenz zu Gunsten der Arbeit folgte wie so oft ein Rauschlesen von einfachen und meist kostenlosen Romanen, die ich mir im Internet heruntergeladen hatte. Grob geschätzt hat mir nur einer von zehn gefallen. Der hier besprochene gehört nicht dazu, wird in den Kommentarspalten allerdings auch gelobt.

Eine Frau fliegt von New York nach Irland zu einem Liebes-Festival und lässt dafür ihren Freund zurück, der mit ihr am nächsten Tag zur Hochzeit seiner Schwester gehen wollte. Sie findet in Irland trotz ihres anfänglichen Zynismus eine neue Liebe.

Das klingt nach einer guten Story, der man Tiefe verleihen kann, die aber auch gespickt durch kulturelle Unterschiede und Liebeswirren unterhaltsam sein kann. Ist sie leider nicht. Die Protagonistin ist mir unsympathisch: Sie lebt seit zwei Jahren mit einem Mann zusammen, den sie in ihre Entscheidungen nicht einbezieht. Sie lässt einen verletzen Mann links liegen, um im Job voranzukommen. Sie verschweigt die Wahrheit, obwohl diese am Anfang richtig vorgebracht niemandem wehtun müsste.

Der Autorin gelingt es zudem nicht, Irland und das Festival der Liebe im Geiste lebendig werden zu lassen. Ich sehe die klischeehaften Schafe und ein paar einsame Herzen, die sich im Dunkeln angetrunken an Unbekannte hängen. Kein rauschendes Fest der Liebe, auch kein Gelage, vor allem keine wachsende Liebe. Als die neue Beziehung beginnt, wird auch noch auf die Beschreibung der wenigen Sexszenen verzichtet. Liegt das an dem katholischen Hintergrund der männlichen Hauptfigur oder an der Prüderie der Autorin?

Den – vielleicht gar nicht vorhandenen – Lektoren hätte auffallen müssen, dass es nicht einfach ist, nachts auf unbekannter Straße, die man nun links befahren soll, Tiere und Landschaft zu bewundern. Auch kann man nicht stundenlang auf einer Bank auf ein Pärchen warten, sich mit dem unterhalten und dann noch einen ganzen Tag für andere Aktivitäten haben. Auch das chronologisch richtige Erzählen will gelernt sein.

Immerhin: In diesem Roman ist der Mann derjenige, der erst wenige Sexpartner hatte, lange abstinent lebte, an die große Liebe glaubt und zuerst die Beziehung will. Doch [Spoiler!]: Diese ach-so-große Liebe ist nicht von Dauer. In mehreren Folge-Bänden erlebt die Protagonistin noch weitere große Lieben, von denen ich zum Glück nicht gelesen habe.

2016

 

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