Ein menschliches Dilemma?

Im Gespräch mit dem SPIEGEL äußerte sich der schwedische Regisseur Ruben Östlund, dessen Film „The Square“ die Goldene Palme gewann und derzeit im Kino zu sehen ist, wie folgt über das Menschsein:

Als Menschen betrachten wir uns doch ständig selbst, wir bewerten unser Verhalten, wollen fair und gut sein, aber wir geraten immer wieder in Konflikt mit unseren Instinkten und unseren unbewussten Bedürfnissen. Das ist unser Dilemma.

Ruben Östlund in: Vogt, Claudia, Männer, denen die Kraft ausgeht,
DER SPIEGEL Nr. 42, 14.10.2017, S. 122.

Ist das so? Ich blieb beim Lesen des dazugehörigen Artikels an diesem Zitat hängen. Ja, ich betrachte mich ständig selbst, das empfinde ich zuweilen als Last, aber es hilft mir auch. Auf die Menschheit übertragen sprechen philosophische Gespräche und Abhandlungen, jegliche Form der Kunst dafür, dass Östlund Recht hat. Und ich nehme an, dass der Mensch, das Individuum gut sein will. Gut im Sinne eines Wohlgefallens für andere Menschen. Wir wollen das Richtige tun, niemandem schaden, andere glücklich machen. Aber will das jeder Mensch qua seiner Natur, also von Geburt an? Die Debatte darüber ist selbst Teil des Menschseins. Ich glaube, wir müssen annehmen, dass der Mensch gut sein will. Sonst könnten wir nicht zusammenleben. Fairness als Urbedürfnis zweifele ich an.

Der Konflikt mit unseren Instinkten und unseren unbewussten Bedürfnissen macht uns zum Menschen. Das ist ein Dilemma des Menschseins, aber es als solches zu bezeichnen, vermittelt den Eindruck, als gäbe es nichts Gutes an diesem Konflikt. Dabei macht er uns aus, wir werden und sind, weil wir austarieren, welcher Teil von uns in jedem Moment stärker ist, welcher Teil Grund für eine Entscheidung, eine Handlung ist.

Beim ersten Lesen hatte mich Östlund überzeugt. Jetzt, nur wenige Tage später, ist mir die Aussage zu negativ. Das lässt mich schmunzeln. Wer weiß, wie ich morgen darüber denke.

4 Kommentare zu „Ein menschliches Dilemma?

    1. Ich will ihn noch sehen. Ich denke auch heute, dass die Auseinandersetzung mit unseren innersten Bedürfnissen, unseren Trieben, den Moralvorstellungen, die uns ausmachen, und den Anforderungen, die von außen an uns gestellt werden, Teil des Menschseins sind – so schwierig das auch sein mag. Kein Dilemma schlechthin, sondern Leben. Was denkst du?

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  1. Ich gebe dir Recht. Ich hatte diesen Sommer einiges zu verdauen, an dem ich noch heute zu knabbern habe. Andrerseits – rein statistisch werden mir solche Unfälle dann vorerst – oder überhaupt noch – nicht mehr passieren…
    Am Film hat mich am meisten amüsiert, dass Elisabeth Moss in der dt. Fassung nicht synchronisiert, sondern untertitelt ist. Ratlosigkeit bei den Zuschauern im Saal: Wir sitzen im falschen Film! Die spielen die OmU-Fassung…
    Da hat die Scientology-Frau erstmals bei mir Pluspunkte gesammelt 😉

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  2. Hallo Liegeradler, ich habe ihn immer noch nicht gesehen…:-( Tut mir leid, dass du einen Unfall hattest. Derartiges hatte ich mit dem sog. Dilemma allerdings nicht gemeint, wobei Unfälle wohl als „Anforderungen, die von außen an uns gestellt werden“ verstanden werden könnten. Aber eigentlich meinte ich das soziale Gefüge, Familie, Freunde, „die“ Gesellschaft oder gar „die“ Kultur.

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