„You look great“

Bruno Mars singt: „Cuz you’re amazing, just the way you are.“ Im dazugehörigen Musikvideo folgt die Kamera einer dunkelhaarigen jungen Frau, die geschminkt in knappen Hotpants auf einer Couch sitzt.

Arvida Byström, ein schwedisches Model, fotografiert Steinobst, das sie in winzige Slips kleidet, während sie sich selbst mit Beinbehaarung ablichtet. Die zarte Frau mit Porzellanhaut tut dies unter tosendem virtuellen Applaus und ebenso lauten Beleidigungen.

Austin Butler, Schauspieler, Model und der Freund Vanessa Hudgens postet auf Instagram ein Selfie vor einem Spiegel, auf dem „You look great“ steht. In seinem Kommentar vertritt er die Auffassung, dass jeder Mensch schön sei, so bleiben solle, wie er ist und sich selbst akzeptieren solle.

Drei schöne Menschen zelebrieren die Schönheit, könnte man jetzt meinen. Irgendwie ätzt es mich an, die Worte dieses schmollmundigen, schlanken Mannes mit „Out-of-bed“-Frisur zu lesen, ihren Wahrheitsgehalt überhaupt nur in Erwähung zu ziehen. Ganz zu schweigen von den knackigen Oberschenkeln des Models im oben genannten Video. Und wer jetzt meint, dass Arvida Byström immerhin nicht perfekt sei, das könne man ja an ihren Beinhaaren sehen, der irrt. Niemand ist perfekt. Darum geht es hier auch nicht. Aber ihre Fähigkeit, sich selbst zu inszenieren, ihr Job als Model lässt sie als schön erscheinen. Die arme Frau wird vermutlich nicht ohne Weiteres auf ihre Beinhaare verzichten können, sollte sie mal das Bedürfnis nach einer Rasur überkommen. Das Aussehen ihrer Beine gehört zu ihrem Image, zu einer ihrer gesellschaftlichen Rollen und ist damit Teil ihres Selbst.

Alle drei meinen, man sei schön, wie man ist.

Mein Ärger über Austin Butlers Selfie verflog nach wenigen Sekunden. Ja, er kann sich inszenieren, er verdient sein Geld auch mit seinem Aussehen und sein Leben scheint laut Instagram eine Abfolge von lässigen Modelkampagnen, verrückten Partys und Urlauben mit seiner ebenso schönen Freundin zu sein. Aber dieses Foto und sein Kommentar bestätigen mir auch, was auch viele andere zum Glück immer wieder andeuten: Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Und: Auch der von außen betrachtet schönste Mensch der Welt kann sich selbst hässlich finden.

Dann gilt es wohl dieses Spiegelbild anzulächeln, vielleicht eine Grimasse zu ziehen und die bösen Gedanken mit einem aufmunternden Spruch zu vertreiben. Je häufiger der Gedanke des Hässlichen nämlich aufploppt, desto wohler wird er sich in deinem Kopf fühlen. Das ist eine Frage der Gewöhnung und der Autosuggestion. Deshalb also die Gegenwehr mit dem Gegenteiligen.

Und Arvida Byström? Die sorgt zum Glück für Vielfalt in der Ästhetik, für Gegenentwürfe. Sie verbindet Kitsch mit dem Unerwarteten. Eine Fee mit Pelz. Na und? Wer sagt denn, dass Feen Lust haben, sich ständig um irgendwelche Haare zu kümmern, anstatt die Zeit mit anderen Dingen zu füllen? – Mit eigenen Fotostrecken zum Beispiel oder mit der Aufklärung von in traditionellen Rollenbildern denkenden Menschen, die sich selbst zur Beauty-Polizei hochstilisieren.

Ach ja, Bruno Mars ist die Verkörperung des Menschen, der uns immer wieder sagen muss, wie großartig wir sind. Eigenlob stinkt nämlich auf Dauer bekanntlich.

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