Das Bundesverfassungsgericht fordert ein drittes Geschlecht im Geburtenregister

Ja, diese Nachricht ist schon ein paar Tage alt. Und ja, seitdem gab es schon andere Nachrichten, die die Gemüter erhitzten.

Heute las ich die Ergebnisse einer nicht einmal im Ansatz repräsentativen Umfrage, nach der die meisten Befragten gegen diese Forderung sind.

Wie unter SPIEGEL-Online nachzulesen, kann man in Deutschland die Eintragung über das Geschlecht seit 2013 offen lassen, wenn das Geschlecht nicht eindeutig männlich oder weiblich ist. Nach der aktuellen Forderung des Bundesverfassungsgerichtes muss der Gesetzgeber bis Ende 2018 diese Eintragung neu regeln.

Wie benennt man ein drittes Geschlecht, wenn sich diejenigen, die sich nicht als Mann oder Frau bezeichnen lassen wollen, mit „divers“ oder „inter“ auch nicht richtig benannt fühlen? Die Findung einer treffenden Bezeichnung stelle ich mir schwierig vor.

Warum hat irgendjemand etwas gegen die Einführung eines dritten Geschlechts? Weil es in der Bibel heißt, Gott habe nur Mann und Frau erschaffen? Ich vermute, dass viele, die das als Gegenargument verwenden, nicht viel anderes aus der Bibel zitieren könnten. Nach meiner Auffassung schuf Gott den Menschen als Menschen, mit allen Entwicklungsstufen, allen Möglichkeiten, allen Fähigkeiten, die es gab, gibt und geben wird.

Es sollte dabei belassen werden, nur aus zwei Geschlechtern wählen zu können, weil das den Menschen nur Flausen in den Kopf setzt, weil es die bestehende Welt erschüttert? Wenn eine Veränderung stark genug ist, um die Welt zu erschüttern, dann wird es geschehen. Deine Kinder sind nicht in Gefahr, nur weil die Welt facettenreich ist. Nein, sie werden vielmehr erfahren, wie großartig sie dadurch ist. Sie werden sie und sich selbst betrachten und denken müssen, diskutieren müssen, ja. Und deine eigene sexuelle Identität ist ebensowenig in Gefahr. Du weißt doch, wer du bist.

Wenn du dich sozial und biologisch als Mann siehst, dann sei ein Mann. Wenn dasselbe für dich als Frau gilt, dann sei eine Frau. Wenn du dich siehst und fühlst, aber weder als Frau noch als Mann – warum gibt es dafür keinen offiziellen Begriff? Die verschiedensten Identitäten tragen doch schon verschiedene Bezeichnungen. Es wird Zeit, dass diese auch in der Bürokratie ankommen, dass sie verbrieft werden.

Ich habe die Befürchtung, naiv zu klingen, wenn ich diese Worte schreibe. Tatsächlich denke ich, dass jeder das Recht hat, sich selbst zu erfahren und zu benennen – und das nicht einfach nur als Abweichung von einer Dualität. Oh ja, wir lieben unsere Zweiheit. Rechts oder links, schwarz oder weiß, herzhaft oder süß, heiß oder kalt… Aber man könnte auch geradeaus oder querfeldein gehen, sich für ein Grau entscheiden, die Kombination von Ananas und Schinken schmeckt irgendwie auch und es soll ja Leute geben, die bevorzugen milde Temperaturen. Bezeichnungen, Gegensätze dienen der Orientierung. Sie sind kein Nonplusultra. Sie entstehen als Teil der Kultur, sie entstehen im Gebrauch durch den Menschen.

Ich hoffe, dass dieser Beschluss des Bundeverfassungsgerichts weitere Veränderungen anstößt oder sie vielmehr aus der Gesellschaft aufgreift.

 

 

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