Jennifer L. Armentrout: Die Obsidian-Reihe

2011 veröffentlichte Jennifer L. Armentrout den ersten Band ihrer „Obsidian“-Reihe, der im Original „Obsidian. A Lux Novel“ heißt. 2014 wurde er in Deutschland mit dem Untertitel „Schattendunkel“ veröffentlicht. Es folgten ein Prequel und vier Bände, die zumeist aus der Sicht der weiblichen Hauptfigur erzählt werden. Wie derzeit bei einigen Reihen üblich, ließ die Autorin in bisher zwei weiteren Romanen den männlichen Protagonisten die Geschichte der ersten beiden Bände aus seiner Sicht erzählen. Im Frühjahr 2018 wird der dritte Roman erwartet.

Zu Beginn der Reihe zieht die 17-jährige Katy mit ihrer Mutter in das Nachbarhaus der Geschwister Daemon und Dee Black. Während zwischen Dee und Katy schnell eine Freundschaft entsteht, fühlt sich Katy einerseits von Daemon körperlich angezogen, andererseits ist sie empört und verletzt ob seines abwehrenden, zuweilen auch grob boshaften Verhaltens ihr gegenüber. Allerdings sucht Daemon dennoch ihre Nähe. Nach einigen Annäherungsversuchen, und merkwürdigen, dabei auch lebensbedrohlichen Zwischenfällen erfährt Katy, dass die Blacks Außerirdische sind, deren Existenz auf Erden zum einen von einer anderen außerirdischen Spezies, zum anderen vom amerikanischen Verteidigungsministerium bedroht ist.

An dieser Stelle könnte ich alle bisher veröffentlichten Romane wie auch die online erschienene Vorgeschichte inhaltlich wiedergeben, doch der Fokus dieses Beitrages soll auf einer Rezension der Reihe liegen. Wer die Romane bisher nicht gelesen hat, sollte wissen, dass diese Rezension nicht ohne SPOILER auskommt, vielmehr sehr ins Detail geht.

Neben dem Hintergrund einer Clash-of-Culture-Geschichte, die mit dem Sehnsuchtsort der Area 51 und den allseits beliebten, in diesem Fall hoch attraktiven, Besuchern aus dem Weltall spielt, trägt die Reihe eine starke weibliche Hauptfigur. Katy gibt Daemon Black Kontra: Obwohl sie von sich selbst sagt, dass sie eher zurückhaltend ist, reagiert sie gewitzt, ehrlich, auch emotional, aber vor allem direkt auf vieles, was der junge Mann ihr da den lieben langen Tag so ins Gesicht schleudert. Seien dies grobe Versuche, sie von seiner Schwester fernzuhalten, oder anzügliche Bemerkungen. Katy macht sich zudem nicht ständig Gedanken um ihr Aussehen. Vielmehr werden ihre Schlafanzüge und gemütlichen Socken zum Thema gemacht. Wobei sie in ihnen von Daemon natürlich als total niedlich angesehen wird. Warum nicht? Die Autorin vermittelt ihren Leserinnen den Eindruck, dass auch die alltägliche Kleidung den Herzallerliebsten zu den schönsten Gefühlsäußerungen bringen kann. Ja, heiße Abendkleider trägt die Heldin natürlich auch. Aber sie hat graue Augen und ihre Haarfarbe ist irgendetwas zwischen Braun und Blond. Also keine blonde Schönheit und kein Schneewittchen. Katy greift zudem aktiv ins Geschehen ein. Sie hilft Daemon und seinen Freunden, auch bevor sie mutiert und zu körperlicher Stärke kommt. Der Autorin gelingt es, die Entwicklung der Figur und ihren Wunsch nach eigener Stärke plausibel darzustellen:

Es geht hier nicht nur um dich und was du willst. Oder wovor du Angst hast. Es geht um mich, um meine Zukunft und mein Leben. Zugegeben, ich wusste vorher nicht einmal, was ich mit meinem Leben anfangen soll, wenn ich mit der Schule fertig bin, […] Ich muss in der Lage sein, mich und die Leute, die mir etwas bedeuten, zu verteidigen. Denn ich kann nicht davon ausgehen, dass du immer da sein wirst, um mich zu beschützen. Das wäre für keinen von uns fair. Deshalb trainiere ich mit Blake […] Ich tue es, damit ich neben dir stehen kann, auf einer Stufe mit dir, und nicht jemand bin, der beschützt werden muss. Und ich tue es für mich selbst, damit ich nicht auf jemanden angewiesen bin, der mich rettet.

Oblivion, Lichtflimmern (Teil 2, Daemons Perspektive), S.247f.

Interessant ist auch, dass Katy zwar kein Problem mit ewiglicher Bindung in Form der Ehe hat, aber kein Interesse an Babys. Zu oft läuft es in Jugendbuch-Reihen darauf hinaus. Und auch wenn ich meist strahle, wenn dies der Fall ist, braucht es auch solche Heldinnen, die mit Anfang 20 (noch ?) nicht von Kindern träumen.

Ein weiteres Plus dieser Reihe ist eine Liebe, die wächst. Die beiden Helden fühlen sich voneinander körperlich angezogen, aber es ist nicht die Liebe auf den ersten Blick. Vielmehr erfahren sie einander über gemeinsame Erlebnisse, sie lernen einander in ruhigen Momenten und in gefährlichen Situationen kennen und lieben. Armentrout zeigt, wie schmerzhaft Abweisung sein kann und dass Vertrauen wachsen muss:

Ich zog mir die Baseballkappe vom Kopf, fuhr mir mit der Hand durchs Haar und starrte weiter auf ihr Haus. Sie wollte mit eingebunden sein – wollte an meiner Seite stehen, egal mit wem oder was wir es zu tun bekamen. Wenn ich ehrlich war, hatte ich das nicht wirklich zugelassen. Blake hingegen schon. War das der eigentliche Grund, warum sie mit ihm und nicht mit mir trainierte? Er hatte genug … Vertrauen in sie. Und ich nicht? Zerknirscht setzte ich die Kappe wieder auf. Mit Vertrauen hatte es nichts zu tun. Ich wollte einfach nicht, dass Kat in Gefahr geriet, und deshalb gab es diese Kluft zwischen uns. Eine Kluft, die sich in der Nacht, in der ich in ihrem Bett eingeschlafen war, zwischenzeitlich in Luft aufgelöst hatte, aber es gab sie. Ich musste darauf vertrauen, dass Kat … die Verantwortung für sich selbst übernehmen konnte. Wenn ich es nicht tat, würden wir keine Chance haben. Und wir mussten eine Chance haben.

Oblivion, Lichtflimmern (Teil 2, Daemons Perspektive), S.284f.

Auch die Liebe zur Familie und zu Freunden ist nichts Absolutes in dieser Reihe. Sie hat Abstufungen, Grautöne. Die Geschwister verletzen einander, setzen Prioritäten, setzen sich füreinander ein, halten Abstand und finden verändert wieder zueinander.

Gefreut habe ich mich über Daemons Angewohnheit, Katy mit einem Stift in den Rücken zu piksen, um ihre Aufmerksamkeit zu erlangen. Sie wartet förmlich darauf, auch wenn es sie manchmal nervt. Das ist eine Form, um mit ihr zu kommunizieren, er genießt diese Momente. Der Phallus-Bezug ist nicht zu übersehen. Aber zugleich wird hier auch ein Motiv genutzt, das einen schnell in die eigene Schulzeit zurückversetzt: Es gab auch dort irgendjemanden, der einen mit irgendeiner Sache genervt und zugleich beglückt hat.

Gelacht habe ich auch über die „regenbogenkotzenden Einhörner“. Meine Schüler waren vertraut mit diesem Ausdruck, ich war ob der Bildlichkeit einfach nur am Glucksen. Daemon beschreibt mit diesem Ausdruck die Einstellung seiner Schwester zur Welt. Der Optimismus seiner Schwester mag ihn abstoßen, letztendlich bringt er ihm aber auch die Beziehung zu Katy. Ohne Dees Hang zur Freundlichkeit Fremden gegenüber, ohne ihr Verlangen nach einer normalen Freundin hätte Daemon weniger Interesse an der Nachbarstochter haben müssen. So aber ist er der Auslöser für sein Stalken, seinen Drang, Katy ebenfalls nah zu sein.

L. Armentrout entwickelt in dieser Reihe vielschichtige Charaktere – trotz der eher konventionellen Grundstruktur ihrer Erzählung: Mädchen trifft außergewöhnlichen Jungen, der Junge hasst das eher durchschnittlich erscheinende Mädchen, kann sich aber nicht von ihm fernhalten. Sie verlieben sich, während sie sich gegen eine dunkle Bedrohung zur Wehr setzen müssen. Die Liebe siegt und sie retten einander und die Welt. Neben der klischeehaft anmutenden Rollenverteilung sind aber alle Figuren- und Figurengruppen nicht einfach gut oder böse. Lux, Arum, Hybriden, Menschen und Origins machen Fehler, reflektieren, verändern sich. Daemon zum Beispiel will seine Schwester beschützen und nicht die Fehler seines Bruders wiederholen. Deshalb macht er Katy Angst, bedroht und beleidigt sie. Er weiß um sein Verhalten und ahnt auch dessen Konsequenzen, ist aber von dessen Notwendigkeit überzeugt. Daemon tötet für seine Familie und leidet darunter. Auch Katy erkennt, dass sie zum Mord fähig ist, um ihre Lieben zu beschützen. Zudem lässt sie Blake um sie werben, obwohl sie weiß, dass ihre Gefühle für ihn nicht an die für Daemon heranreichen. Die Lux  sind hier keine moralischen Instanzen, die von außen kommen und die Menschen eines Besseren belehren. Und die Menschen quälen die Außerirdischen, auch, um dann gegen Krankheiten kämpfen zu können.

Zum Glück darf in dieser Reihe auch gelacht werden. Wenn sich Daemon und Katy fetzen, aber auch wenn die Geschwister aneinandergeraten. Hier empfehle ich das Prequel „Shadows“.

Eine Voraussetzung für das Funktionieren dieser Liebesgeschichte hat etwas Tragisches: Daemon, der Held, wird aufgrund von Verblendung, Verfehlung und Hybris schuldlos schuldig. Er will nicht, dass seine Schwester sich mit dem menschlichen Nachbarmädchen anfreundet. Hätte er sie nicht von Anfang an beobachtet, nicht über ihren Körper oder die Frage nach dem Grund für ihren Einzug in dieses Haus nachgedachtet, hätte er sich nicht das Ziel gesetzt, Katy von seiner Schwester fernzuhalten und dabei Zeit mit ihr verbracht, dann hätte er sie nicht begehrt, sein Interesse, seine Nähe zu ihr wären nicht entstanden und gewachsen. Er meint meint, er sei anders, stärker als sein Bruder: Hybris. Er meint, sie sei durchschnittlich und eine Gefahr für seine Familie und seine Freunde: Verblendung. Er denkt an sie, hilft ihr, streitet, lacht und flirtet mit ihr: Verfehlung. Hier liegt seine Schuld. Eine Art Vorsehung macht ihn aber auch schuldlos: Wenn er das alles nicht getan hätte, den Dingen ihren Lauf gelassen hätte – nun ja, er hätte sie doch kennen- und liebengelernt. Sie wäre die beste Freundin seiner Schwester geworden, er hätte sie am See gesehen, in seinem Haus, in der Schule. Er hätte erkannt, wie sehr sie ihren Vater vermisst, wie einsam sie ist, wie wenig durchschnittlich sie ist. Die Autorin lässt ihrem Helden keine Wahl: Er bringt sich und seine Familie und Katy in Gefahr, weil er sich dazu entschließt, einzugreifen. Hätte er abgewartet, wäre er ihr doch verfallen. Dieses Zusammenspiel aus literarischer Vorsehung und Tragik gefällt mir.

Nun komme ich zu dem, was gegen diese Reihe spricht oder was ihre Wirkung zumindest schmälert. Es fehlt ihr zum einen an Stringenz. Diesen Punkt muss ich aufschlüsseln; hier fiel mir Einiges auf:

  • Was verbindet die Lux und die Personen, die sie heilen? Ist es der Akt des Heilens, das Eingreifen in die Struktur des Körpers? Oder ist es das Serum, das das Verteidigungsministerium den Menschen nach dem Heilen verabreicht? Emotional ansprechender wäre Ersteres: Wenn ein Alien einen Menschen heilt, verbindet er sich zugleich mit ihm, sie werden Partner, müssen nun aufeinander achtgeben. Beim Lesen hatte ich den Eindruck, dass die Autorin selbst nicht sicher ist, was die Verbindung bewirkt. Belehrt mich eines Besseren, wenn ich etwas überlesen haben sollte.
  • Zu Beginn des zweiten Parallelbandes („Oblivion – Lichtflimmern“) heißt es aus Daemons Sicht, er und Katy hätten seit dem Vorfall beim Homecoming nicht mehr miteinander geredet. Gemeint sollte doch aber Halloween sein, oder? Denn an Halloween heilte er sie aus ihrem todesnahen Zustand und übertrug so seine Kräfte auf sie.
  • Ethan soll Ende vierzig sein. Die Origins sind doch aber um die vierzig. Und Archer soll aus der zweiten Klasse der Origins stammen, aber Ende zwanzig sein. Zwischen Ethan und Archer gab es also keine andere Origin-Generation? Überhaupt ist die Idee, Ethan als Ältesten zu einem Origin zu machen, nicht gelungen. Irgendeine verlässliche ältere Identifikationsfigur hätte Armentrout den armen Alien-Jugendlichen lassen können. So scheint es fast, als müssten sie wie die griechischen Götter ihre Vorgänger-Generation töten, um frei handeln und leben zu können.
  • Wie kommt es, dass Blake Gedanken lesen kann, obwohl er kein Origin ist?
  • Mal können die Lux nur in ihrer Lichtgestalt per Gedankenübertragung miteinander kommunizieren, mal auch in ihrer menschlichen Erscheinungsform.
  • Wie können Katys Noten gut sein, wenn sie kaum etwas für die Schule tut?
  • Wie kommt es, dass die Arum einer abschließenden Schlacht gegen ihre Nahrungsquelle zustimmen? Wenn sie denn so böse sind, wie die Lux sie zeichnen, wenn sie sich vom Licht der Lux ernähren, warum sollten sie diese vom Planeten vertreiben oder alle auf einmal töten? Was geschieht mit all den Arum nach der Schlacht? Die Arum sind in dieser Erzählung nicht einfach böse, aber ihre Geschichte ist leider nicht völlig durchdacht erzählt worden.

Als besonders störend empfand ich das fast regelhaft anmutende Fehlen von Kommata und die Ausdrucks- und Grammatikfehler, die sich vor allem in der Parallel-Reihe „Oblivion“ finden. Das erstaunt mich bei einem Verlag wie Carlsen. Vor allem bei mit „zu“ erweiterten Infinitivgruppen fehlen die Kommata oft. Oder es heißt „der Virus“, wenn vom Krankheitspartikel die Rede ist; es müsste hier „das Virus“ heißen. J. L. Armentrout und der Verlag wollten die einzelnen Werke vielleicht etwas zu schnell auf den Markt bringen. Inhaltliche und sprachliche Mängel hätten bei etwas mehr Geduld eher vermieden werden können.

So stark die weibliche Hauptfigur auch sein mag, so undurchsichtig, ja farblos, ist ihre Vergangenheit. Katys Blog und ihr Vater sind die einzigen Verbundstücke zu ihrem Leben vor ihrem Umzug. Wir erfahren, dass sie aufgrund der Krankheit ihres Vaters kaum noch Kontakt zu ihren Freunden hatte. Doch sein Tod liegt zu Beginn der Handlung drei Jahre zurück. Hat sie seitdem keine anderen, keine neuen Freundschaften geschlossen? Gibt es niemanden, mit dem sie SMS oder WhatsApp-Nachrichten austauscht? Es ist, als tauche sie aus dem Nichts auf, keiner vermisst sie, sie vermisst keinen. „Neues Heim, neues Glück!“, lautet hier wohl die Devise. Auch ihre Mutter scheint keine Kontakte zum alten Leben zu haben; keine Freundin, die anruft, wenn sie gerade bei der Arbeit ist, keine Postkarten aus dem Urlaub von Freunden oder der Familie. Hier fehlt es der Erzählung an Tiefe, an Feinheiten.

Generell zweifele ich die Existenzberechtigung für die Parallel-Reihe an: Fragen, die diese Reihe hätte beantworten können, werden nicht einmal angerissen. Wie verbringen die Blacks Weihnachten? Was fühlt und denkt Daemon im Hinblick auf seine Eltern? Was denkt er über seine Zukunft auf der Erde? J. L. Armentrout folgt in der Regel dem Erzählstrang der Hauptreihe, auch wenn sie einen Teil vor der ersten Begegnung der beiden Protagonisten hinzufügt: Daemon beobachtet Katy, hilft ihr sogar ohne ihr Wissen beim Einzug. Der Teil ist in sich gelungen, passt aber nicht zur Hauptreihe, da diese Ereignisse und Gefühle dort mit keinem Wort erwähnt werden. Ansonsten erfahren wir von Daemon nur etwas, wenn Katys Sicht zu dieser Situation auch schon dargestellt worden ist. Schade ist es auch, dass Daemon Katy gegenüber nie erklärt, dass Dees angeblicher Schlüsseldiebstahl, der ihn zur Nettigkeit ihr gegenüber zwingen sollte, nie stattfand. Die Gespräche mit Matthew, die es zwischen Daemon und ihm gibt, werden nicht unvermittelt wiedergegeben, dabei hätte hier ihre besondere Beziehung anschaulicher dargestellt werden können. Letztendlich hat es sich die Autorin meiner Meinung nach zu einfach gemacht. Mal sehen, was der dritte Band bringt.

Nun geht es ans Eingemachte: Die Erzählung handelt von Jugendlichen aus unterschiedlichen Welten. Ziemlich schnell wird deutlich, dass es auf sexueller Ebene keine großen Schwierigkeiten gibt: Er ist übermenschlich gut gebaut, sie deshalb völlig verloren. Sie verfügt über für ihn betörend schöne Beine und seine Geschlechtsteile reagieren daher absolut menschlich. Wenn sie nicht die Finger voneinander lassen können, geht schon mal ein Computer kaputt, und sehr schnell (schon beim ersten offiziellen Aufeinandertreffen) fehlen Kleidungsstücke. Es ist nicht nur erzählerisch klug, dass es bis zum tatsächlichen ersten Mal zwischen den beiden etwas dauert. Aber beide machen sich zu wenig Gedanken über Sex, über das erste Mal miteinander, über andere Sexualpartner. Sie sind JUGENDLICHE. Liegt es an der Altersfreigabe, dass Selbstbefriedigung nur ein einziges Mal angedeutet wird? Diese Szene spielt in einem der Parallelbände; Daemon ist derjenige, der Hand an sich selbst anlegt, während er an Katy denkt. Juhee, hab‘ ich das gefeiert! Aber zugleich ärgerte es mich, dass Katy dergleichen nicht einmal denkt. Wobei halt, es könnte sein, dass ihr der Gedanke einmal vorm Duschen kommt. Aber es folgen keine Handlungen. Und ja, Katy ist eifersüchtig, wenn es um Ash geht. Aber sie fragt sich und Daemon nie, was genau zwischen den beiden gelaufen ist. Daemon fragt nicht, ob es vor ihm andere für Katy gab. Sie denken diese Fragen nicht einmal. Daemon macht anzügliche Bemerkungen, wird als sexuell erfahren angedeutet, aber genau das ist das Problem: Es bleibt bei all der Direktheit, wenn es um ihre Streitigkeiten geht, beim Thema Sex meist nur bei Andeutungen. Das ist der Altersgruppe (der Protagonisten und der Leser) nicht angemessen.

Ein weiterer gedanklicher Fehler, der mich beschäftigte: Wenn die Lux in ihre Lichtgestalt wechseln, dann wird ihre Kleidung dabei nicht zerstört. Wie kommt das? Sie sind in dem Moment pure Energie. Müsste die Kleidung nicht verbrennen, zerfetzen? Das wäre wohl wieder zu viel Nacktheit geworden. Oder es war Armentrout zu kompliziert, die Lux immer an Kleidung denken zu lassen. Wobei es in der Twilight-Reihe für die Wölfe ja auch funktioniert.

Zum Schluss noch ein großer Minuspunkt dieser Reihe, der bedenklich ist: latenter Rassismus. Den hätte ich in einer Reihe, die die Kontrahentengruppen der Menschen und der Außerirdischen gleichwertig moralisch vielschichtig darstellt, nicht erwartet. Doch einmal fällt der Begriff der „Menschenrasse“. Ich musste das Wort ein paar Mal lesen. An einer anderen Stelle im 2. Band aus Daemons Sicht heißt es über eine Freundin Katys, sie sei „schwarz und asiatisch“. Die Autorin beschreibt sie also mit einer Hautfarbe, die stigmatisiert und undifferenziert ist, und einem Adjektiv, das auf eine sehr große Zahl von Bewohnern eines sehr großen Kontinents zutrifft. Das erscheint im Nachhinein wie ein Versuch, ethnische Diversität im Figurenensemble vorzutäuschen. Auch auf die Gefahr hin, jetzt selbst etwas Falsches zu sagen: Armentrout hätte den Ton ihrer Haut präziser angeben und das Herkunftsland der Eltern benennen können, sie hätte auch anderen Figuren einen nicht anglo-amerikanischen Hintergrund geben können. Oder sie hätte gleich bei allen Figuren auf die Hautfarbe verzichten können, aber das wäre an der Realität vorbeigegangen. Wir sehen Farben, wir sehen Unterschiede. Aber wir sollten die dann nicht verallgemeinern und nicht mit negativ konnotierten und in der Sache falschen Bezeichnungen benennen.

Ich sehe gerade, wie lang diese Rezension geworden ist. Aber hey, deshalb gibt es diesen Blog ja auch: Ich kann mich hier in Kürze oder eben Breite zu Themen äußern, die mich interessieren. Und ja, diese Reihe interessiert mich. Ich habe sie trotz der Mängel verschlungen; ich lese Romane ungern über mehrere Tage oder gar Wochen hinweg und bin eine schnelle Leserin, und ja, ich habe mitgelitten. Aber ich habe mir die Bücher nicht gekauft und werde das auch nicht tun. Die Oblivion-Reihe bringt der Autorin und dem Verlag Geld, den Lesern aber kaum neue Einblicke; dafür enthält sie viele inhaltliche und sprachliche Fehler. Die Ausgangsreihe ist oft nicht explizit genug und es mangelt ihr an inhaltlicher Genauigkeit.  Wer einem Paar im Kampf gegen einander und gegen die Welt folgen will, kann das hier tun, sollte sich aber nicht wundern, wenn hier ein paar Dinge nicht ganz zusammenpassen.

Prequel: Shadows (nur digital/online)

Obsidian-Reihe:

  1. Band: Obsidian. Schattendunkel.
  2. Band: Onyx. Schattenschimmer.
  3. Band: Opal. Schattenglanz.
  4. Band: Origin. Schattenfunke (beide Perspektiven).
  5. Band: Opposition. Schattenblitz (beide Perspektiven).

Oblivion-Reihe (Daemons Sicht):

  1. Band: Oblivion. Lichtflüstern („Obsidian“-Handlung).
  2. Band: Oblivion. Lichtflimmern („Onyx“-Handlung).
  3. Band: Oblivion. Lichflackern, erscheint am 28.02.2018 („Opal“-Handlung).

CARLSEN empfiehlt die Reihe für Leser ab 14 Jahren

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